20 Jahre AIDS-Hilfe Zug
28.10.2007Aufgaben und Angebote in den Bereichen Gesundheit und Soziales laufen oft Gefahr, in die sparpolitisch gestellte Kostenfalle zu tappen. Umso bedeutungsvoller ist es, dass der Kanton Zug mit seiner Unterstützung der AIDS-Hilfe Sicherheit und Berechenbarkeit bietet. Lesen Sie meine Jubiläumsbotschaft.
An der Jubiläumsfeier der AIDS-Hilfe Zug sagte ich u.a. folgendes:
Als AIDS 1985 zu einem gesellschaftlichen Thema wurde, erzeugte dies in der Bevölkerung grosse Verunsicherung und Angst. Die Krankheit wurde als "Randgruppen-Phänomen" bezeichnet, AIDS-kranke Menschen hat man meistens von der Gesellschaft ausgeschlossen und diskriminiert, was die Not der Betroffenen noch verstärkte. Heute hat sich dies Gott sei Dank verändert.
Der Kampf gegen die Krankheit und die Präventionsarbeit der letzten 20 Jahre (Aktivitäten siehe hier) haben Wirkung gezeigt. Der Präservativgebrauch und die Marke STOP AIDS sind gesellschaftlich breit etabliert. Und mit der Entwicklung von neuen Medikamenten hat sich die gesundheitliche Situation und die Lebensqualität der Betroffenen markant verbessert, obwohl dies noch lange kein unbelastetes Leben bedeutet.
Heute, 20 Jahre später, stehen wir vor folgenden neuen Herausforderungen:
- HIV und Aids haben an Aktualität und Bedrohlichkeit verloren. Aids ist aber immer noch eine potenziell tödliche Krankheit. Der langfristige Erfolg der Therapie ist ungewiss. Und die medikamentöse Behandlung kann mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden sein. Oft leiden Betroffene unter Isolation und vielfältigen psychischen Belastungen.
- Für die HIV-Prävention stehen weniger Mittel, auf jeden Fall weniger Bundesmittel, zur Verfügung. Das steht im Kontext der generellen Sparmassnahmen der öffentlichen Hand, ist aber auch eine Folge der Gewöhnung an HIV/Aids. Für ein altes Thema werden keine grossen Beträge mehr aufgewendet.
- Schliesslich muss es der STOP AIDS-Kampagne gelingen, auch die junge Generation für ein vermeintlich bekanntes Thema zu sensibilisieren und sich in einem zunehmend sexualisierten Werbeumfeld geschickt zu positionieren. (HIV/AIDS: Alles klar? Testen Sie sich hier!)
Diese drei Punkte sind wichtig, weil der erwähnte Fortschritt auch folgende höchst unwillkommene Nebenwirkung zeigt: HIV und Aids haben ihren Schrecken verloren und verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein und aus den Köpfen der Menschen. Das bestätigt die verstärkte Tendenz zu einer gewissen Sorglosigkeit.
Prävention und Solidarität sind ganz wichtig
Gerne möchte ich Ihnen noch drei Gedanken mit auf den Weg geben:
- Es braucht Prävention: Bei Aids heisst es nicht "Vorbeugen ist besser als Heilen" sondern "Vorbeugen ist alles, Heilung gibt es nicht".
- Es braucht Solidarität. Solidarität setzt Verständnis und Toleranz gegenüber anderen Normen und Werten voraus. Sie trägt erheblich dazu bei, das Vertrauen, das gegenseitige Verantwortungsbewusstsein und die Lebensqualität von Menschen mit HIV/Aids zu steigern. Eines ist ganz wichtig: Nie darf der Kampf gegen das Virus zu einem Kampf gegen die davon betroffenen Personen werden. Wir müssen uns deshalb gegen die Diskriminierung und Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen wehren und uns für ihre Integration einsetzen.
- Der frühere, langjährige Präsident der Aids-Hilfe Schweiz, Daniel Gredig sagte folgendes: „Terrain, das einmal durch die Prävention gewonnen wurde, ist nicht für immer gewonnen. Schutzverhalten kann sich ändern. Die Zahl von neu entdeckten Infektionen kann auch wieder steigen.“ Deshalb bleibt die Prävention, der Einsatz für die Erhaltung der Lebensqualität der von HIV und Aids Betroffenen und das Engagement für soziale Integration und gegen Diskriminierung eine grosse Herausforderung für unsere Gesellschaft.
Vergissmeinnicht und 'Beten und verhüten'
An der letzten Jubiläumsfeier vor 10 Jahren gaben die Verantwortlichen der Aidshilfe Zug dem damaligen Gala-Abend den Namen 'Vergissmeinnicht'. Die Namensgebung signalisierte in subtiler Weise zwei Botschaften: AIDS ist immer noch ein Thema, das wir ständig im Auge behalten müssen und die von der unheilbaren Krankheit betroffenen Menschen brauchen deshalb unsere Unterstützung, Hilfe und Solidarität auch in Zukunft.
‚Beten und Verhüten’ war der Themengottesdienst bei der 15 Jahr-Feier in der Kirche Neuheim. Beten für eine tolerantere Welt und die Diskriminierung aufgrund eines Virus oder einer Krankheit verhindern oder eben verhüten. Ich denke, dies lohnt sich auch heute noch. Sie haben am 2. Dezember wiederum Gelegenheit, persönlich ein solches Zeichen zu setzen, und zwar am diesjährigen AIDS-Gottesdienst in der reformierten Kirche Zug.

