Ein Licht anzünden - für sozialen Zusammenhalt und Solidarität
15.12.2007In Cham und Steinhausen wurden heute viele Lichter angezündet. Mit der Aktion "Eine Million Sterne" der Caritas setzten die beiden Zuger Ennetsee-Gemeinden ein Zeichen. In Cham, wo Firmlinge das Ganze umsetzten, hielt ich als Landammann eine Ansprache vor einem eindrücklichen Lichtermeer.
Nach einem schönen Gottesdienst und wunderbaren musikalischen Klängen der Turmbläser äusserte ich vor einem eindrücklichen Lichtermeer und vielen Leuten Gedanken zu den Begriffen Licht, Kerze, Lichtblick und Leuchtturm. Hier einige Auszüge aus meiner Rede:
Licht und Kerze
Heute werden nicht nur hier in Cham, sondern in unserem Kanton auch noch in Steinhausen Lichter angezündet. Zusätzlich brennen in rund 100 Städten und Gemeinden auf Plätzen, Brücken und an Gebäuden Tausende von Kerzen. Die Schweiz wird also leuchten, und jedes Licht ist ein Bekenntnis einer Gemeinde, die Schwache stützt und Menschen, die in Not geraten sind, helfen will. Die vielen tausend Kerzen weisen aber auch auf den zunehmenden Egoismus in unserer Gesellschaft hin und auf die Tatsache, dass die Solidarität an vielen Orten schwindet: Solidarität zwischen Reichen und Armen, zwischen Gesunden und Kranken, zwischen den Generationen. So ist jede Kerze also auch ein Symbol der Hoffnung für einen Mitmensch, hier in Cham, bei uns im Kanton, aber auch in unserem schönen Heimatland, der Schweiz.
Jede Kerze macht die Umgebung nicht nur hell, sondern bringt auch Wärme, also Leben. Leben heisst nebst vielem auch Dasein für andere, sich für die Mitmenschen engagieren, sich jenen zuwenden, die vorübergehend oder permanent auf der Schattenseite sind oder stehen. Wie wir mit solchen Mitmenschen umgehen, zeigt den Wert jedes einzelnen, den Wert unserer Gesellschaft, den Wert unseres Lebens. Ich wünsche uns allen, dass wir gerade in der Adventszeit für viele Menschen, für Schwächere und Schwache, für Einsame, für Ausgestossene, auch für Kranke und Pflegebedürftige, zum Licht werden, dann sind wir - wie jede Kerze - für sie eine Quelle des Lebens und der Liebe.
Lichtblick und Leuchtturm
Es ist mir ein Bedürfnis, am heutigen Abend und vor diesem Lichtermeer noch drei mir ganz wichtig erscheinende Leuchttürme anzusprechen:
- Die Familie - unsere wichtigste Keimzelle: Sie braucht unsere volle Unterstützung. In der Familie wird das Fundament gelegt, auf das ein Mensch sein ganzes Leben aufbauen kann - oder eben nicht. Mutter und Vater sind Vorbilder für ihre Kinder - gute oder schlechte. Begriffe wie Verantwortungsbewusstsein, Vertrauen, Gerechtigkeitssinn, Toleranz, Geduld, Treue, Liebe sowie Bereitschaft zum Teilen und Helfen müssen im Kern der Familie wachsen. So wünsche ich mir, dass diese bedeutungsvollste soziale Struktur nicht noch mehr zerfällt, sondern dass der Stellenwert der Familie wieder vermehrt erkannt und auch gefördert wird.
- Das 21. Jahrhundert wird uns vor viele Aufgaben stellen. Wir leben immer noch nicht in einer einzigen, sondern in verschiedenen Welten. Der Welt des Überflusses steht die Welt des Hungers gegenüber, der Welt des „numerus clausus“ an den überfüllten Universitäten jene mit fast einer Milliarde Analphabeten, der Welt der sehr teuren Gesundheit für alle jene mit einer Bevölkerung, die nicht einmal weiss, was Trinkwasser ist. Diese Liste liesse sich beliebig fortsetzen, Tatsache ist, dass wir für mehr Ausgewogenheit und Gerechtigkeit kämpfen müssen, im Grossen wie im Kleinen. Dabei braucht es auch mehr Respekt vor der Natur und unseren Ressourcen: Es geht nicht an, unsere Natur nur für kurzfristige Vorteile und angeblich zum Wohl der Menschheit umzugestalten. Pfuschen wir Gottes Schöpfung nicht weiter ins Handwerk, denn dass unser Planet lediglich über beschränkte Ressourcen verfügt, dürfte wohl allen klar sein. Wenn wir ein Recht haben, aus dem Ertrag der Erde Nutzen zu ziehen, dann haben wir auch die Pflicht, ihre natürlichen Ressourcen zu schonen, uns um sie zu kümmern und sie zu erneuern. Schliesslich sind wir Erwachsene dafür verantwortlich, dass auch unsere Kinder und Enkel optimistisch in die Zukunft blicken können. Für mich heisst dies Schutz der natürlichen Umwelt, Vorbeugung gegenüber Risiken, Verzicht auf nicht wieder rückgängig zu machende Entscheide und schliesslich auch Gleichgewicht statt grenzenloses Wachstum.
- Vergessen wir bei all unseren Tätigkeiten nicht, dass wir Menschen Halt brauchen, dass wir eine Heimat als Boden unter unseren Füssen brauchen, dass wir aber auch – und dies scheint mir gerade in unserer oft zu materialistischen Welt entscheidend – schützende Hände über uns brauchen!

