Regierung aus dem Fürstentum Liechtenstein zu Gast in Zug
10.04.2008Das Fürstentum Liechtenstein, dieser weltoffene, international gut vernetzte Kleinstaat mit der konstitutionellen Erbmonarchie geniesst in unserem Land und auch im Kanton Zug grosse Sympathie. Zusammen mit Landschreiber Tino Jorio empfing ich die Regierung und die Verwaltungsspitze.
Sie fühlten sich offensichtlich wohl auf der Zuger Regierungsbank im Kantonsratssaal: Die drei Mitglieder der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, von links nach rechts: Regierungsrat Dr. Martin Meyer, Regierungschef-Stellvertreter Dr. Klaus Tschütscher und Regierungsrat Hugo Quaderer (Foto Peter Mella).
Beim Empfang im Kantonsratssal führte ich u.a. folgendes aus: "Mit Interesse verfolgen wir Ihre Aktivitäten, und gerade in den letzten Wochen waren unsere Augen und Ohren näher bei Ihnen als vielleicht Monate zuvor.
So haben wir zur Kenntnis genommen, wie Sie sich gegen die deutsche Kampagne gewehrt und wie Sie Ihre Souveränität gegen die Angriffe und Unterstellungen mit klaren Worten verteidigt haben. Nebst vielem, was ich gelesen habe, ist mir folgender Satz von Erbprinz Alois geblieben:
Als Staatsoberhaupt des Fürstentums Liechtenstein nehme ich die jüngsten Vorgänge besorgt zur Kenntnis. Wir werden weitere rechtliche Schritte überprüfen, um unsere Bürger und auch die Anleger, die uns vertrauen, vor derartigen Untersuchungsmethoden, die in Liechtenstein gesetzlich nicht gedeckt sind, zu schützen.
Zur Kenntnis genommen haben wir auch noch folgende zwei Sachen:
1. Sie haben kürzlich die Eckpunkte für die im Jahr 2006 beschlossene Revision des liechtensteinischen Steuergesetzes vorgestellt. Ihr Regierungspräsident hat dabei Sachen gesagt, die wir aus Zuger Sicht voll und ganz unterschreiben können. Ich zitiere:
„Die Steuerpolitik und damit das Steuerklima sind mehr denn je aktuelle politische Themen in einem Europa, dessen Staatsgrenzen für Güter und Dienstleitungen immer durchlässiger werden. In den letzten Jahren und Monaten haben viele Länder innerhalb und ausserhalb Europas Steuerreformen durchgeführt und im Rahmen dieser Reformen ihre Steuersätze gesenkt. Dadurch hat sich in der Praxis gezeigt, wie wichtig eine umsichtige Steuerpolitik für den Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte ist.“
2. Sie haben eine Residenz und eine Kanzlei für die Botschaft in den USA gekauft. Damit unterstreichen Sie die Bedeutung, die einer eigenen diplomatischen Vertretung in den USA beigemessen wird.
Regierungsrat Hugo Quaderer in angeregtem Gespräch mit dem Zuger Landammann Joachim Eder (Foto Peter Mella)
Liechtensteiner Landesflagge wehte zwei Tage auf dem Regierungsgebäude
Direkte offizielle Kontakte und Beziehungen zwischen dem Kanton Zug und dem Fürstentum Liechtenstein sind - mindestens in unserem Staatsarchiv - keine festgehalten. So können wir heute also ein Novum feiern, was mich ausserordentlich freut und auch Grund für ein spezielles äusseres Zeichen ist. Zu Ehren des Fürstentums Liechtenstein und aus Wertschätzung Ihnen und Ihrer Bevölkerung gegenüber weht seit heute Morgen Ihre Landesflagge auf dem Regierungsgebäude.
Gefunden habe ich allerdings doch noch etwas: Es gibt eine Vielzahl von Vereinbarungen und Konkordaten, bei denen der Kanton Zug und das Fürstentum Liechtenstein beteiligt sind. Ich erwähne die älteste vom 18.09.1967 (KRB betreffend Beitritt zur abgeänderten interkantonalen Übereinkunft über den Viehhandel) und die jüngste vom 1.1.2007 (Interkantonale Vereinbarung für Soziale Einrichtungen IVSE).
Im Buch von Christoph Maria Merki „Wirtschaftswunder Liechtenstein – Die rasche Modernisierung einer kleinen Volkswirtschaft im 20. Jahrhundert“ fand ich auf S. 35 die Abbildung einer Baustelle in Zug um 1910 mit folgender Bildlegende: Unter den 16 Bauarbeitern befanden sich auch die vier Liechtensteiner Andreas Eberle, Hermann Eberle, Karl Eberle und Raphael Beck, die es auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz gezogen hatte.“
Im Bereich der Wirtschaft ist folgendes erwähnenswert: Der Gründer der Crypto, Herr Hagelin, hat eine Stiftung in FL, die Besitzerin dieser genannten Firma ist. Crypto und deren Tochter Infoguard produzieren Schiffriergeräte und Verschlüsselungen der Infoflüsse. Ansonsten haben die FL-Stiftungen ihr Geld primär in Banken. Da Zug kein wirklicher Bankenplatz ist, sind auch da die Beziehungen nicht sehr gross.
Meine ganz persönliche Beziehung zum Fürstentum Liechtenstein
Es mag Sie erstaunen, dass ich persönliche Beziehungen zum Ländle habe, und zwar über den Handball, wo ich als Trainerinstruktor, Schiedsrichter und Spieler sehr aktiv war. Anfangs der 80-er Jahre wurde ich von Ihrem Nationalen Olympischen Komitee angefragt, eine Liechtensteinische Herren-Handballauswahl zu bilden und zu trainieren. Ich habe spontan zugesagt, fuhr während zweier Jahre Freitagabend für Freitagabend von meinem Wohnort Unterägeri nach Vaduz, um dort etwa zwanzig fähige und talentierte Handballer zu trainieren. Ich bildete dann eine Landesauswahl, war also für kurze Zeit Ihr ausländischer Nationaltrainer, wie die Zeitungen schrieben und spielte mit der Equipe in der Schweiz an nationalen und internationalen Turnieren. Wir bestritten sogar zwei Länderspiele, und zwar gegen England. Gestern fand ich in der Wimpelsammlung diese beiden Überreste meiner Tätigkeit vor mehr als 27 Jahren. Die Foto des damaligen Teams liess ich an der Wand meines Heimbüros hängen. Sie sehen aber immerhin: Ich bin täglich von Liechtensteinern umgeben… "

