100 Jahre Morgartendenkmal - meine Jubiläumsansprache

02.08.2008

Die Zuger freute es sehr, dass am 2. August 2008, genau 100 Jahre nach der offiziellen Einweihung des Morgartendenkmals also, das offizielle Schwyz sein Fehlen von 1908 auf sympathische Art ausbügelte. Zug und Schwyz scheinen sich heute zu mögen, war der Eindruck der gelungenen Jubiläumsfeier.

Auszüge aus meiner Jubiläumsansprache:

Sie alle, die heute an dieser schlichten Jubiläumsfeier anwesend sind, kennen sicher die lange und steinige Vorgeschichte der seinerzeitigen Einweihung, eine Einweihung, an der breite Kreise aus Politik, Kultur und Militär aus den Kantonen Zug und Schwyz und auch des Bundes massgeblich beteiligt waren. Und sollten Sie noch nicht alle Einzelheiten wissen oder sich für spannende Details interessieren, so empfehle ich Ihnen die Lektüre des – ich bleibe beim heutigen Standard-Wort - monumentalen Werkes von Christoph Henggeler, Oberägeri, der 1990 die bewegte Denkmalgeschichte und die damit zusammenhängenden Ereignisse in seiner umfangreichen Dissertation „Der dritte Morgartenkrieg“ erforscht und detailliert aufgeschrieben hat.

 

Keine Angst, ich werde diese Geschichte oder Teile davon jetzt nicht aufrollen, ich werde auch nicht genüsslich jene Stellen aus Briefen oder gar Rosinen aus Ratsprotokollen zitieren, über die wir heute sicher alle schmunzeln oder allenfalls ungläubig den Kopf schütteln. In den letzten Tagen war ja in den Medien einiges zu lesen und sogar zu hören. Kommt hinzu, dass mein Landammann-Kollege Georg Hess heute am Schluss der Feier – wenn ich all die Zeichen rund um das Jubiläumsprogramm richtig deute – noch einen ganz wichtigen Auftritt als offizieller Repräsentant des Standes Schwyz hat!

 

Diplomatische Wiedergutmachung?

 

Apropos Zeichen und Auftritt: Es ist ja wohl für viele von Ihnen kein Geheimnis mehr, dass die Kulturkommission des Kantons Schwyz zum Denkmaljubiläum auf Anregung des Sattler Gemeindeschreibers Pirmin Moser ein Schwyzer Heft herausgegeben hat, welches als echtes Gemeinschaftswerk in verschiedenen Beiträgen die Geschichte rund um das Denkmal darstellt. Ich bin gespannt auf die offizielle Vernissage und die gemäss Programm vorgesehene Übergabe durch meinen Landammann-Kollegen Georg Hess. Ich könnte mir vorstellen, dass er mir dieses freundnachbarschaftliche Geschenk nicht nur mit einem kräftigen Händedruck, sondern noch mit einem zusätzlichen viel sagenden Augenzwinkern übergeben wird, so quasi als diplomatische Wiedergutmachung für das Abseitsstehen seiner Vorfahren. Oder, wie es ein prominenter Schwyzer im Vorfeld schriftlich formuliert hat: „Der Kanton Schwyz erweist damit dem Schlachtdenkmal auf Zuger Boden nach 100 Jahren die Reverenz, die es dem Denkmal am 2. August 1908 aus politischen Gründen nicht zukommen lassen wollte.“

 

Damit wäre – gestatten Sie mir diese Klammerbemerkung – dann wohl auch der Brief, den die Schwyzer seinerzeit dem Bundesrat geschrieben haben, es gehe doch nicht, dass Unterlegene gar ein Denkmal errichten, korrigiert.

 

Die Bedeutung und Faszination von Morgarten

 

Morgarten hat – da sind wir uns alle sicher einig - etwas ausgelöst, ja sogar vieles ausgelöst und bewegt, auch wenn sich heute noch einige fragen, was damals im Jahre 1315 wirklich passiert ist. Das Ereignis als solches ist zwar unbestritten, wegen der sehr schmalen Quellengrundlage gibt es nebst den traditionellen Vorstellungen, den Einschätzungen, den Interpretationen, den vielen Nachforschungen und Neubeurteilungen, den militärischen, patriotischen und lokalhistorischen Überlagerungen und Zutaten aber auch heute noch Widersprüche und offene Fragen. So deutet beispielsweise der bekannte Zuger Historiker Roger Sablonier, Archivquellenspezialist und emeritierter Ordinarius für Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich, in seinem kürzlich erschienenen Buch „Gründungszeit ohne Eidgenossen“ gerade auch den Morgartenbrief sowie das ganze Geschehen von Morgarten inhaltlich neu.

 

Es liegt mir fern, dies kommentieren zu wollen. Zu viele Bücher von Fachleuten und Spezialisten sind darüber bereits geschrieben worden.

 

Immerhin stelle ich aber folgendes fest:

  • Morgarten ist nicht nur ein Schlachtfeld, Morgarten ist nicht nur ein Denkmal, sei dies jetzt die Schlachtkapelle in der Schornen oder das Denkmal, dessen Geburtstag wir heute feiern, Morgarten ist und bleibt ein Mythos.
  • Morgarten ist auch mehr, als wir in der Schule lernten, wo es hauptsächlich um Baumstämme und im Sumpf versinkende Ritter ging.
  • Noch heute werden wichtige und zentrale Begriffe wie Heimatliebe, Freiheit, Widerstand, Zivilcourage, Gerechtigkeit, um nur einige zu nennen, mit Morgarten in Zusammenhang gebracht.
  • Und vor allem: Morgarten findet statt! Nicht nur im jetzt 30 Jahre alten Film von Erich Langjahr und Beni Müller, der diesen Titel trägt, sondern jedes Jahr am 15. November mit zwei wichtigen und sehr gut besuchten Gedenkschiessen und einer Schlachtjahrzeit, drei speziellen Anlässen also.

Meine ganze Jubiläumsansprache können Sie hier lesen.

 

<- Zurück zu: Archiv

Reden, Ansprachen...

 

 

 

Begegnungen, zum Beispiel mit Boris Becker...